Der Mensch ist das Ma aller Dinge, nicht die Gemeinschaft, das Volk, nicht die Partei, nicht der Staat, nicht die Nation, nicht die Erde, nicht das Universum...
University of Salzburg - a good place for audacious intellectuals
Index > Termine > Walter Müllers Laudatio zu 20 Jahre Tauriska
Walter Müllers Laudatio zu 20 Jahre Tauriska

"Kraut und Ruab’n, frisch von der Leber weg digitalisiert. Oder: Das wird womöglich alles Mögliche bloß keine dem Anlass angemessene, wohlgesetzte Laudatio!..." So harmlos haben sie angefangen, Walter Müllers ehrende Worte für eine handvoll entschlossener Menschen die vor 20 Jahren Tauriska begründeten. Was dann aber kommt ist ein so hemmungslos augenzwinkernder wie liebevoller Blick auf einen Philosophen, seine Philosophie und auf Alfred Winter, einem Menschen, der Leopold Kohr für Österreich wieder entdeckt hat...


Sehr geehrte Damen und Herren, willkommen beim TAURISKA-Fest vorm Kammerlanderstall!
Stall. Ist ein guter Ort. Ein gutes Wort für den Anfang. Uralte Sprachwurzel. Kommt von Stel - „Stelle, Standort“. Viehstall: Standort für das Vieh. Hühnerstall: Standort der Hühner. Skistall und so weiter. „Und nur im Stall fand sich ein Platz, damals in jener Nacht…“ Stall ist ein guter Anfang.

Ich lebe von Wörtern. Ich bin süchtig nach Wörtern, die es nicht mehr gibt oder fast nicht mehr gibt. Wenn man keine Mundart hat, kein Dorf als Heimat, sehnt man sich und immer mehr nach Wörtern, die Bestand haben. Und klammert sich an die, die dem Untergang geweiht sind.
Be-STALLEN ist so ein Wort. Be-STALLEN ist gleich: jemanden ein-SETZEN, in sein Amt einsetzen, anstellen, als Beamten zum Beispiel. Die wohl-BESTALLTEN Beamten der Salzburger Landesregierung könnte man formulieren, wenn es die noch gäbe. Die gibt es aber nicht mehr, weil es das Wort so gut wie nicht mehr gibt. Apotheker werden oder wurden bestallt, Zahndoktoren und Tierärzte.

Neben Be-STALLEN sagte man in vergangenen Tagen auch „In-STALL-ieren“. Päpste – weiß das noch jemand? - wurden „in-STALL-iert“, in ihr Amt eingesetzt. Wie komme ich aus dem STALL jemals wieder raus, ich sollte ja über TAURISKA reden?!

Wir waren beim Papst. „Papst“ und „In-STALLATION“: der Computer, daheim in meiner Stadt, spuckt mir auf Anfrage sofort zwei Bei-spiele aus. „…Nachdem die Tusculaner die Crescentier bezwungen hatten, konnten sie als faktische Machthaber Roms zeitweise auch Familienmitglieder als Päpste in-STALLIEREN.“ Aber unter „Papst“, Beistrich, „In-STALLATION“ gibt mir das Internet-Suchprogramm Google blitzartig auch noch folgenden Hinweis: „Der PAPST 4412 F-Schrägstrich-2 GLL ist ein leistungsstarker und dennoch leiser Festplattenbelüfter“.

Ein Festplattenbelüfter, der PAPST heißt. Die Welt ist ein globales Einkaufs-Center, und wenn man nicht aufpasst wie ein Haftelmacher, wird alles beliebig. Kraut und Ruab’n, digitalisiert.

Heute werden ja nicht mehr Päpste sondern Computerprogramme „in-STALLIERT“. Ich werde nervös, wenn mir mein Computer befiehlt:
In-STALLIEREN Sie einen Treiber… für den Scanner oder den neuen Drucker beispielsweise. Aber ich habe gleichzeitig eine gebenedeite Freude, dass der Treiber, dieses für mich undurchschaubare Computerprogramm, „Treiber“ heißt, wie „Treiber“ istgleich: „unbewaffnete Personen, die – meist mit Lärminstrumenten in einer Treiberkette – Wild aufstöbern und aus der Deckung scheuchen, damit die Jäger zum Schuss kommen können.“ Die Jäger können ruhig danebenschießen, aber die „Treiber“ erfreuen mein Herz, wegen der Lärminstrumente und weil sie dem Treiber in meinem Computer die magische Kraft entziehen, wortmäßig.

Soviel zum Papst, zum Vieh, den Treibern und dem PC. Wir waren beim STALL. Im Stall eine Computeranlage in-STALLIEREN. Die Erdung nicht vergessen! Niemals die Erdung vergessen. Man verliert so leicht die Bodenhaftung! Nichts wie raus aus dem virtuellen Saustall, den ich mir herbeigeredet habe! Zurück in den Kammerlander-STALL.

Der STALL als Herberge; der STALL als Kommandozentrale für Expeditionen in die Zukunft und in die Vergangenheit. Im Kammerlan-der-STALL tuckern die in-STALLIERTEN Computer in stiller Eintracht mit den kurbelbetriebenen Zirbenholzfiguren des Thoma Felix de Martin Pinter, vulgo „Steinberg Thoma“. Hirn und Herz. Welt und Dorf zugleich. Der Kammerlander-STALL.

Gott sei Dank, dass es ihn gibt.

Vötter sei Dankl, wie man hier in der Gegend sagt, Vötter sei Dankl, dass es TAURISKA gibt, seit 20 Jahren hier im STALL zu Neukirchen, im Oberpinzgau und dem Rest der Welt. Vötter-Dankl und Nowotny und Salchegger und Gitschthaler und den anderen. Bauer, Schweinöster, Schalk und so weiter und so fort. Den Machern und den Multiplikatoren, den Ermöglichern, den Weiterposaunern, den Faden-Fort-Spinnern, den wunderbar sanften und energiegeladenen Menschen. Danke. Größtes Lob.

„Belobung“, steht in meinem uralten lateinischen Wörterbuch. Laudatio istgleich: „Belobung“. Nicht „Lobrede“. Belobung. Auch so ein absterbendes Wort. Genug der Belobung!

Haben wir jemanden vergessen womöglich? Natürlich. Ziemlich sogar!

Vor langer Zeit, war’s gestern oder war’s heut’... zieht einer übers Land,
einer, der WINTER heißt und überall, wo er auftaucht, das Eis zum Tauen bringt, den Schnee und den Harsch. In der Stadt Salzburg hat er einst die Szene der Jugend gegründet, und jetzt hat es ihn in den Pinz-gau verschlagen, in den Nationalpark Hohe Tauern. Alfred Winter, der Frühlingsmensch. Eine imposante Erscheinung, die Künstlerwelle im Haar, und dann trägt er noch eine fledermausgroße, schmetterlingshafte Masche unterm Kinn.

Der Flüsterer. Wie es Pferdeflüsterer geben soll, ist er ein Menschenflüsterer; geht unvermutet, aus dem Hinterhalt, auf Menschen zu, raunt ihnen was ins Ohr, bis die von seinen gewisperten Worten Bestäubten auf einmal mit den Köpfen nicken, mit vor Aufregung geröteten Wangen von dannen ziehen und sich unverzüglich ans Werk machen. Der Menschenflüsterer freilich lüpft den imaginären Hut und ist längst wieder unterwegs, auf Hollersbach oder Bramberg, immer aber auf Menschen zu, während in Neukirchen die eben noch nickenden Köpfe bereits dampfen, was Uneingeweihte für das Abziehen des Rauches aus den Kaminen uralter, halbverfallener Bauernhäuser missinterpretieren werden.

Winter, Professore Winter, aber das weiß noch keiner, hat ja längst mit den Saligen Frauen Kontakt aufgenommen und den Finkau-wisplern von der Wilden Gerlos und mit zwei Dutzend der wichtigsten Querdenker dieser Erde. Er hat keine fertigen Programme im Ärmel, wenn er so durch den Oberpinzgau zieht; er flüstert den Menschen nur Ideen zu, Botschaften, die so klein sind, dass man sie leicht überhören kann und so groß, dass sie die Welt verändern können.

Er ist der Floh-ins-Ohr-Setzer. Vom Nationalpark Hohe Tauern raunt er und von der regionalen Identität und von den Schätzen, die es zu bergen, den Kleinodien, die es zu bewahren, den Menschen, die es zu entdecken, den Plänen, die es zu schmieden gelte. Vom harmonischen Miteinander flüstert er, vom Freilegen der Wurzeln, vom menschlichen Maß. Von den religiösen und volkskulturellen Bräuchen, die der Vergessenheit entrissen werden müssten, von der geistigen Dorferneuerung, von kleinen Kultur- und Handwerkszentren, die zu schaffen wären. Am Anfang, ganz am Anfang, soll der eine oder andere das Wort „Gästebetten“ verstanden haben, wenn der mit der Schmetterlingsmasche von Kunst und Handwerk und einem besseren Leben erzählt habe.

Ein anderes Mal ist ein Freund an seiner Seite: der große kleine Philosoph Leopold Kohr. Den hat auch der Professore wiederentdeckt und dem Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückgeschenkt - zwei schrullige Wanderer, zwei hochehrenwerte Käuze, zwei unnachahmliche Großmaschenträger, und gemeinsam streifen sie über ausgeaperte Felder, stehen unter apfelschweren Bäumen, bestaunen die mächtigen Gletscherlandschaften, hocken im Dorfwirtshaus und wispern über die
Zukunft der Welt, die aus dem Kleinen kommen muss. Und nur aus
dem Kleinen kommen kann. Und niemals aus dem globalen Alles-oder-Nichts. Aus dem Kleinen muss das kommen, aus dem Überschaubaren, aus der Region, von den Menschen der Region. Und machen müsst ihr das selber! Ihr seid die Künstler. Ihr seid die Träumer. Es ist eure Vergangenheit. Es ist eure Zukunft. Und da haben die beiden auch schon die Bauern und Handwerker, Lehrer, Künstler, Mütter, Väter, Kinder sämtlicher Oberpinzgauer Gemeinden bezirzt, einfach so und unwiderruflich.

Und nach einiger Zeit, war’s morgen oder war’s heut, ist ein Verein gegründet, eine Kulturinitiative in-STALLIERT, ein STALL renoviert. Sind ein Präsident, der Philosoph Kohr, und zwei gute Geister, Susanna Dankl und Christian Vötter, be-STALLT.

TAURISKA. Der Name soll sich von einem Keltenstamm herleiten, der vor 2000 Jahren in der Gegend unterwegs war. Heißt es. Schon möglich, glaub ich aufs Wort. Aber TAU wie Auftauen, zum Schmelzen bringen und RISK wie riskant, Risiko, Kopf und Kragen, eine Abfuhr, eine Watsch’n, ein Scheitern RISKieren – gefällt mir auch.
Oder TAU wie dickes Seil… Seilschaften bilden für RISK-ante Wege.
TAU-Wetter und Wagnis und Aufbruch. TAU-RISK.
TAURISKA - das Zauberwort!
TAURISKA-Taler
TAURISKA-Törtchen
TAURISKA-Kugeln, die einzigen und echten
TAURISKA-Likör
TAURISKA-Fledermaus-Maschen
Original-TAURISKA-Fledermausmaschen-Alltags- und Festtagstracht
TAURISKA-Schnäppchenreisen zu den unverfälschten TAURISKA-Menschen in ihren Originalkostümen in den urigen Oberpinzgauer TAURISKA-Reservaten!

Halt, stopp! Wir sind ja nicht in der Weltstadt Salzburg! Und außer-
dem sind das nur das verflixte Bramberger Gangerl und die vermaledeite Wiesbachhex’, die mir Larifari in die Ohren blasen, während ich an meinem Chili-Green-Computer sitze und in mein Windows-Programm starre… statt aus einem echten Fenster, einem Stub’nfenster womöglich, hinaus in ein echtes Tal, auf einen echten Berg zu blicken. digital, digiberg, endlich wieder Hoagaschtn nach dem einsamen Chatten. „Webbseite sucht Webstuhl. Und umgekehrt!“ Und ich kritzle auf die ENTER-Taste meines PC’s mit per E-Bay importiertem original Pinzgauer Mankei-Bluat ENTER’M-TAUERN-Taste. Diese Sehnsucht nach einer Heimat! TAURISKER müsste man sein!

Und genau bei diesem Satz – „TAURISKER müsste man sein!“ – spa-ziert, ich schwöre das beim zerlumpten Donanadl von der Grünalm und bei einer Handvoll alternativer Nobelpreisträger, spaziert also eine le-bendige Fliege über meinen Monitor und hockt sich in die linke Bild-schirmecke, dort wo das Wordprogramm-Kästchen leuchtet, hockt sich hin und bleibt hocken, als wär das ein Herrgottswinkel! Ja, Herr-gottseit’n! Ich werde wohl ein paar Treiber in-STALLIEREN müssen, die sie mit ihren Lärminstrumenten zum Teufel jagen !!!

Dabei ist alles so einfach.

Am Anfang stand ein Kalender. TAURISKA-Kalender 87’. „Dieser Kalender ist ein Streifzug im Jahresablauf durch das Leben und Treiben in der Region des Nationalparkes Hohe Tauern“ – der erste Satz der Kalenderfrau Eva Maria Schalk. Und gleich auf der zweiten Seite im allerersten Kalender dieser Gedanke von Leopold Kohr: „Wir sind
nicht die Beherrscher dieser Welt, sondern deren Gäste, als solche sol-
len wir uns verhalten. Ein Gastrecht darf nicht missbraucht werden!“
Das erste Gedicht im ersten Kalender stammt von der damals blutjun-gen Rauriserin Susanne Rasser: „Hoffnung. / Wir haben Extreme erlit-ten / doch Utopie wird langsam zur Wirklichkeit / denn wir haben uns Rechte erstritten / nun macht sich Hoffnung in mir breit. / Die Hoff-nung auf Humanität / auf lebende Zukunft / auf mehr Wärme in dieser Welt / Menschlichkeit mit Vernunft.“

Und dann erfährt man vom Schuasta Hansl aus Niedernsill und vom Schmiedemeister Martin Stöckl aus Stuhlfelden. Und dass Steinmaurer wie Hans Gartner aus Neukirchen wieder eine Zukunft haben. Und von der Kraftfeldwoche und von der Schule der Dorferneuerung. Und von der Webstube der Theresia Pichler in Niedernsill. Und vom prä-historischen Kupferbergbau in der Bronzezeit.
Und vom alten Krimmler Hexenspiel, das wiederbelebt werden soll, mit der Hexe, dem Teufel und dem Bajazz. Und von den Mundartdichtern in der Region, von den Rettenbachern, der Liesl Pichler und von der Wildalm-Messe der Flora Steiner, die das „Gloria“, das „Ehre sei Gott“ das „da kleanste Gipfö an’ Herrgod wü lob’m“ hoch droben in den Bergen, auf dem Hacklkopf geschrieben hat. Und dann sieht man in diesem ersten Kalender auf einem grauweißen Foto, wie der Bürgermeister Peter Nindl dem Philosophen Kohr zur Eröffnung der Leopold-Kohr-Akademie in Neukirchen einen ebenso symbolischen wie riesenhaften Schlüssel in die Hand drückt.

Und dann wird noch Werbung gemacht für das allererste sommerliche TAURISKA-Fest, an dem sich die Gemeinden des Oberpinzgaues mit eigenen Veranstaltungen beteiligen werden oder sollen. Mit Höhenfeuern und Bergmessen, Dorffesten und Stubenlesungen, mit keltischem Harfenspiel, Backofen-Bauen und Bauernmarkt. Und Fahrten „auf den Spuren der Taurisker“.

„Von den Gemeinden, die noch kein Programm ausgearbeitet haben,
oder noch keine genauen Termine angeben konnten, liegt der aktuelle Spielplan bis spätestens Anfang Mai 1987 in den örtlichen Verkehrsvereinen auf.“ Steht im Kalender zu lesen. In der Stadt draußen wird leise gelächelt, im Pinzgau herinnen wird gefeiert, ausprobiert und weiterentwickelt.

Der Rest ist Legende. TAURISKISCHE SAGA. Im Kammerlanderstall tüfteln und werken, vermitteln und beraten Vötter und Dankl und bald einmal, war’s gestern oder heut’, Vötter-Bindestrich-Dankl, die begnadete Zweier-Seilschaft. TAU und volles RISK. Und alles mit dieser ansteckenden Begeisterung! Der Menschenflüsterer und der große kleine Philosoph haben genau die Richtigen bezirzt.

TAU wie TAU-sendvierhundert Veranstaltungen, mit fast 400.000
Besuchern, allein im Kammerlanderstall! In zwanzig Jahren. Zu den Dichterlesungen und Harfenkonzerten, den Vorträgen und Märchennachmittagen kommen von Anfang an nachhaltige Tagungen. „Was braucht das Dorf der Zukunft?“, wird gefragt. „Was machen wir mit der Natur?“, fragt man. Über „Neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum“ wird ernsthaft und ideenreich nachgedacht. Philosophen und Ökonomen, Professoren und Studenten pilgern lustvoll nach Neukirchen und reden mit Einheimischen und Zugereisten über das ganz konkrete Leben.

Undsoweiter undsofort. Holzspielzeug wird erfunden und ausgestellt und Tauernmöbel und Menschenbilder und immer wieder die Kunst-werke und Handwerkskleinodien der regionalen Künstler und Meister.

Und Volkstanzen kann man lernen und Klöppeln und ökonomische Selbstversorgung und Gerstenkornstickerei und Salbenherstellung und Liebeszauber mit Nadel und Faden, und wie man in jeder Lebenslage mit dem Computer umgeht, einen TREIBER in-STALLIERT und diese überlebensnotwendigen Kleinigkeiten.

Und die unvergleichlichen Projekte: „Frauen in den Hohen Tauern – vom Korsett zum Internet“. „Vom Flachs zum Leinen“. „Sprache und Essen – Mundart und Kost aus der Region Nationalpark Hohe Tau-ern“. „Werkstatt im Fluss“. Alles mit Menschen aus der Gegend, mit Schülern aus der Region erarbeitet. Undsoweiter undsofort.

In fast allen Oberpinzgauer Gemeinden gibt es inzwischen eigene Kulturvereine; Schatzkammer Hohe-Tauern-Spiele entstehen, eine „Schatzkammer“-Multimedia-CD-Rom. Im TAURISKA-Verlag erscheinen Dutzende Publikationen, das jährliche Magazin, der jährliche Kalender, Ausstellungskataloge, Handarbeitsmappen und Bücher von Autoren der Region. In Niedernsill ist, von Barbara Rettenbacher mit großer Liebe aufgebaut, ein kostbares Mundartarchiv entstanden.

Die Medien entdecken den Kammerlanderstall und das TAURISKA-Land, drehen Dokumentationen und porträtieren heimische Künstler. Und die ARGE Pinzgauer Lehrer und die PÄDAK-Studenten, die hier ihre Praktika fürs Leben und für die Schule absolvieren. Und so vieles und so viel Wichtiges, was in diesen zwanzig Jahren aus dem Hirn und dem Herz gezaubert und von Mensch zu Mensch umgesetzt worden ist.
Es ist ja alles in Wort und Bild und Film festgehalten, für alle Zeiten.
Doch eine Belobung? Wie könnte es auch anders sein.

Der Zukunftsforscher Robert Jungk, Wahl-Salzburger, hat immer davon geträumt, dass seine Stadt, die Stadt Salzburg ein Cap Canaveral, eine Raketen-Startrampe für Ideenflüge zur Rettung der Menschheit werden könne. Die klügsten Köpfe aus aller Welt denken über eine menschliche Zukunft nach. Kultur und Wirtschaft und Frieden und Alltag. Sein Freund, der Philosoph Leopold Kohr, der Dorfmensch, ist mit ähnlichen Ideen ins Gebirge gegangen und hat durch seine Gedanken und durch sein Wesen mitgeholfen, „dort drinnen“, hier herinnen, viele kleine Startram-pen zu bauen, bauen zu lassen, an Ort und Stelle, von den Menschen der Region. Im Erfahrungsaustausch mit den klügsten Köpfen. Der Stadt Salzburg, die manchmal ein guter Gastgeber für Konferenzen und Kongresse auf höchster geistiger Ebene ist, gelingt das alles immer nur bruchstückhaft. Der Stadt fehlt die Erdung, das Wirtshaus, der Stall.

In der Stadt sehnt sich einer wie ich nach den klaren Formen und den unkomplizierten Menschen, nach den kleinen Seilschaften, den Vöt-ter-Dankls, nach dem menschlichen Maß, nach dem TAU und dem RISK, nach Tauernbleame und digitaler Bildbearbeitung, nach Toifö-hosnkraxn und den imponierenden Seillegungen beim Krimmler Wasserfall. Nach den Klapperfiguren des Steinberg-Thoma.

Neulich ist ein W-mail, ein Wassermail vom Mühlbacher Leuchtturm der Margot Salchegger mit jeder Menge energievoller Gedanken in meiner Gegend nahe des Müllner Steges vorbeigeschwommen. In der Salzach, auf dem Weg zum Schwarzen Meer. Ich hätte die Kraftbot-schaften in den trüben Fluten fast versäumt. Die Stubenfliege in ihrem Herrgottswinkel auf meinem Computermonitor hat es mir geflüstert. Gerade noch rechtzeitig.

 
Drucker geeignete Seite Sende diesen Artikel einem Freund


Was Kohr dachte und wie er sich ein besseres Zusammenleben vorstellte, erliest man sich in fünf schlanken Büchern aus dem Otto Müller Verlag.

PDF Beschreibung (1,2 MByte) >



Kohr-Jahr-2009 als PDF >

Tauriska 2008 | Login |