
Eröffnungsrede des Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirates der Leopold Kohr Akademie Univ.-Prof. Dr. Reinhold Wagnleitner:
Mit meinem Dank für die wunderbare Musik von Marie-Kathrin Melnitzky und Jochen Grüner, die uns heute eine fast schon Kohrsche Melange aus Keltischem, Barocken und Modernen darbieten, darf ich Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Leopold Kohr Akademie, ganz herzlich zur Eröffnung des Leopold-Kohr-Archivs an der Paris Lodron Universität Salzburg begrüßen...
Diese neue Forschungsstätte zu Ehren des Weltbürgers, Philosophen, Nationalökonomen, bekennenden Anarchisten, subversiven Querdenkers und Träger des Alternativen Nobelpreises bedeutet, im Kohrschen Sinne des akademischen Wirtshauses, nicht nur eine weitere Öffnung der akademischen Türen zum interkulturellen Dialog.
Das neue Herzstück der kritischen Kohr-Forschung repräsentiert Diese neue Forschungsstätte zu Ehren des Weltbürgers, Philosophen, Nationalökonomen, bekennenden Anarchisten, subversiven Querdenkers und Träger des Alternativen Nobelpreises bedeutet, im Kohrschen Sinne des akademischen Wirtshauses, nicht nur eine weitere Öffnung der akademischen Türen zum interkulturellen Dialog.darüber hinaus eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen Universität, Land und Stadt Salzburg und Leopold Kohr Akademie. Sie erweitert die Möglichkeiten bereits seit längerer Zeit laufender internationaler Kooperationen im Bereich der Kohr-Forschung und Lehre an der Universität Salzburg beträchtlich – von der Bedeutung regionaler Ökonomie und Identitäten bis hin zur Geschichte der Globalisierung.
Nie war der kritische wissenschaftliche Diskurs wichtiger als in unserer Epoche, dem Zeitalter der Extreme: mag es sich nun um Extreme im Bereich der Ideologien, der Massenvernichtungswaffen, der globalen Massenvernichtung von Vermögen (Stichworte: New Economy Crash 2001, Immobilienkrise, Bankencrash, globale Schulden- und Hungerkrise) oder um zunehmende Versuche der Massenverdummung handeln – im so genannten Zeitalter der Information, das allerdings eher als Epoche der Desinformation daher kommt. Manchen mag die erfolgreiche Berufung der Hansestadt Bremen auf Kohrsche Ideen zur Beibehaltung ihrer historischen Unabhängigkeit als kleinklein erscheinen. Wenn aber nun sogar die New York Times, die Bibel des Neoliberalismus, auf Grund der katastrophalen Auswirkungen der Immobilienkrise auf das Zerplatzen des amerikanischen Traumes für 40 Millionen US-Bürger ketzerisch meint, dass man nun vielleicht doch endlich einmal dem fundamentalistischen Glauben an die Segnungen ständigen Wachstums abzuschwören habe, dann brauchte ich eigentlich gar nicht mehr auf den neuesten Investment-Hit “Disaster Capitalism” hinzuweisen, der den internationalen Anlegern vor knapp einem Jahr von der Dow Jones Business News empfohlen wurde.
Da hieß es im Beitrag “War, Terror, Catastrophe: Profiting From 'Disaster Capitalism'“ Paul B. Farrell, Dow Jones Business News, October 16, 2007Ein heißer Tip: investieren sie in Katastrophen-Kapitalismus. Dieser neue Investment-Sektor ist das Zentrum der aufstrebenden Neuen Wirtschaft welche Profite hervorbringt, die sich aus dem Unheil anderer Menschen machen lassen: aus Kriegen, Terrorattacken, Naturkatastrophen, Armut, Wirtschaftssanktionen, Marktzusammenbrüchen und allen Arten von wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Katastrophen.“
Hot tip: Invest in "Disaster Capitalism." This new investment sector is the core of the emerging "new economy" that generates profits by feeding off other peoples' misery: Wars, terror attacks, natural catastrophes, poverty, trade sanctions, market crashes and all kinds of economic, financial and political disasters.”
Es ist also aus vielerlei Gründen hoch an der Zeit, die kritische Auseinandersetzung mit den Ideen Leopold Kohrs zu intensivieren.
Es handelt sich bei dieser Eröffnung um die Erfüllung eines Traums für dessen Verwirklichung Prof. Alfred Winter, der wichtigste österreichische Promotor Leopold Kohrs seit 1979, seine engen Mitstreiter Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter und, last but not least, Prof. Dr. Christian Dirninger und Dr. Ewald Hiebl– mag auch SMALL beautiful sein – Großes geleistet haben.
Gerade weil Leopold Kohr, im Zusammenhang seiner Studien zur kritischen Größe meinte, dass der Grund für die Ansammlung jeder Menschenmenge völlig irrelevant sei, übrigens genau so wie die daran teilnehmenden Individuen, gerade deshalb muss ich doch den häretischen Schritt wagen, hier dem Meister zu widersprechen. Denn ohne die großartige Unterstützung der folgenden Persönlichkeiten und Institutionen bestünde heute keinerlei Anlass zur Ansammlung gerade unserer spezifischen Menschenmenge.
Begrüßt sei zuerst Landeshauptmann-Stv. Dr. Wilfried Haslauer
Seit Jahren unterstützt das Land Salzburg, insbesondere ihr Ressort, großzügig die zahlreichen Leopold Kohr-Aktivitäten, u.a. auch die Bearbeitung des Nachlasses. Ich erlaube mir aus diesem Festanlass auch, auf die Freundschaft Leopold Kohrs mit ihrem verstorbenen Vater, einem ganz entscheidenden frühen Förderer, hinzuweisen.
Ich begrüße auch Herrn Erzabt Edmund Wagenhofer, der anschließend nicht nur unser neues Zentrum der Kohr-Forschung einweihen wird, sondern im folgenden auch zu einem Empfang in die Erzabtei St. Peter einlädt;
Weiters heiße ich den Rektor der Universität Salzburg, Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger, ganz herzlich willkommen. Sie haben uns von Anfang an, auch in schwierigen budgetären Zeiten, immer ein offenes Ohr geliehen. Ohne ihr beherztes Engagement und ihr persönliches Interesse für außergewöhnliche Denk- und Forschungsansätze hätte das Leopold-Kohr-Archiv hier keine Wirkungsstätte gefunden.
Als weiteren Vertreter der Universität Salzburg begrüße ich Univ. Prof. Dr. Rudolf Pacik, den Dekan der Theologischen Fakultät, in deren Räumlichkeiten das Kohr-Archiv angesiedelt ist, als unmittelbaren Hausherren. Ich darf ihnen versichern, dass uns eine gedeihliche Zusammenarbeit und Nachbarschaft sehr am Herzen liegt.
Ich darf auch den Zweiten Landtagspräsidenten Wolfgang Saliger begrüßen; Ebenso Herrn Kommerzialrat Julius Schmalz, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg, auch er ein wichtiger Förderer
Dazu auch Frau Gemeinderat Waltraud Hofmeister, die Bürgermeister Dr. Heinz Schaden vertritt; Außerdem begrüße ich Frau Hofrätin Gemeinderätin Dr. Elisabeth Werner, die uns als Leiterin der Zentralen Wirtschaftsdienste der Universität Salzburg seit der ersten Stunde mit Rat und Tat zur Seite stand;
Auch Frau Gemeinderätin Mag. Eva Weissenbacher und Frau Kulturamtsleiterin Mag. Ingrid Tröger-Gordon vom Magistrat der Stadt Salzburg begrüße ich ganz herzlich.
Es ist uns selbstverständlich eine ganz besondere Ehre, Jakob von Uexküll, den Gründer des Alternativen Nobelpreises, Vorsitzenden der Right Livelihood Award Stiftung und Gründer des Welt-Zukunftsrates, sowie die Jury-Mitglieder des Right Livelihood Award zu begrüßen. Mit ihrer Sitzung in Salzburg, die der Auswahl der Preisträger des Jahres 2008 dient, dokumentieren sie die enge Verbundenheit der Stiftung mit Land und Stadt Salzburg und deren beiden herausragenden Preisträgern Leopold Kohr und Robert Jungk.
Neben Ole von Uexküll, dem Executive Director der Stiftung begrüße ich Anuradha Mittal, Indien/USA. Executive Director, Oakland Institute;
Ahmedou Ould-Abdallah, Mauretanien, dem Speziellen Repräsentanten des UN-Generalsekretärs für Somalia; Vithal Rajan, Indien. Chair, Confederation of Voluntary Associations; Anwar Fazal, Malaysia. Right Livelihood Awardee, Former President, International Organisation of Consumers Unions/Consumers International.
Ursula Schulz-Dornburg, aus Deutschland. Gründerin und Vorsitzende, Grassroots Foundation.
Die Verlegerin Anne Rüffer, aus der Schweiz. Vorstandsmitglied, Right Livelihood Award Stiftung Schweiz.
Monika Griefahn, Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland, Stellvertretende Vorsitzende, Right Livelihood Award Stiftung.
Paul Ekins, Großbritannien, auch er Stellvertretender Vorsitzender, Right Livelihood Award Stiftung und schließlich:
Marianne Andersson, Schweden. Vorstandsmitglied, Right Livelihood Award Stiftung.
Mochte Leopold Kohrs Lebensweg auf Grund seiner publizistischen Aktivitäten gegen Faschismus und Nationalsozialismus und der ihm daraus als unabdingbare Notwendigkeit erscheinende Kampf gegen die Hypertrophie der Großmächte – zum ersten Mal dokumentiert im Essay „Disunion Now“ im New Yorker Magazin „The Commonweal“ vom 26. November 1941 – auch nach Spanien, in die USA, nach Kanada, Puerto Rico und Großbritannien (um nur die wichtigsten Stationen zu erwähnen) führen, so blieb er nicht nur immer Oberndorf, Salzburg und Österreich, sondern auch seiner Familie eng verbunden. Deshalb freut es mich ganz besonders seine Schwägerin, Frau Rosemarie Kohr, und seinen Neffen Obermedizinalrat Dr. Anton Kohr mit Frau Ingrid begrüßen zu dürfen. (Nichte Ingrid Ristau mit Gatten Lothar);
Die ästhetisch besonders geglückte künstlerische Gestaltung der neuen Räumlichkeiten verdanken wir dem Künstler Mag. Karl Hartwig Kaltner. Seien sie herzlich bedankt und begrüßt.
Zeit seines Lebens verstand sich Leopold Kohr auch als Publizist, schließlich arbeitete er schon zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs als Berichterstatter für verschiedene österreichische und schweizerische Zeitungen sowie die französische Nachrichtenagentur Agence Viato – Bürokollegen und Freunde waren damals keine Geringeren als George Orwell, Ernest Hemingway und André Malreaux.
Als Medienvertreter und Kollegen darf ich deshalb Prof. Siegbert Stronegger, Landesdirektor des ORF Landesstudio Salzburg, Dkfm. Trude Kaindl-Hönig und Chefredakteur Manfred Perterer von den Salzburger Nachrichten herzlich begrüßen.
Und schließlich möchte ich noch Herrn Arno Kleibel vom Otto Müller-Verlag mit Gattin begrüßen und für die gute Zusammenarbeit bei der Publikation der Leopold-Kohr Reihe danken.
"Alles ist Gift. Ausschlaggebend ist nur die Dosis." Dieser von Leopold Kohr oft zitierte Paracelsus-Spruch war nicht nur grundlegend für seine "Philosophie der Größe", sondern auch eine Warnung an alle Eröffnungsredner, mit einer Überdosis an salbungsvollen Worten, Hypnos, den Gott des Schlafes, zu provozieren.
Ich bitte daher Susanna Vötter-Dankl, die gemeinsam mit Christian Vötter, seit vielen Jahren Tauriska und die Leopold Kohr Akademie leitet und koordiniert, um ihre Begrüßungsworte.
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