Der Mensch ist das Maß aller Dinge, nicht die Gemeinschaft, das Volk, nicht die Partei, nicht der Staat, nicht die Nation, nicht die Erde, nicht das Universum...
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Ausstellung zu 100 Jahre Kohr


2000 Jahre wurde alles falsch gemacht. Die Massen haben die Herrscher angebetet, die Größenwahnsinnigen haben zu ihrer Glorie Meere von Blut vergossen Da schreibt endlich ein einziger Philosoph dem Wahnsinn ins Gesicht: "Zurück!!!"

Diese Ausstellung bringt ihnen das Leben eines Mannes näher, der ohne Sicherheitsnetz und dem behaglichem Applaus aus den Reihen der Denkereliten seiner Zeit kühn und kreativ in die Zukunft dachte. In dieser Ausstellung lernen Sie keine zum Denkmal und für das politische Alltagsgeschäft taugende Persönlichkeit kennen, sondern einen, der machbare Konzepte für die Kurskorrektur unserer Gesellschaft anzubieten hat. Begleitet von einer schnell wachsenden Schar begeisterter Mitdenker aus allen gesellschaftlichen Ebenen. (Günther Witzany)





Dolores Bauer über Leopold Kohr:

"Klein-Sein oder Nicht-Sein, das ist die Frage. Das Große hat keine Überlebenschance."
Mit diesem Wort brachte Leopold Kohr, 1909 in Österreich geboren, 1994 in England verstorben, seine Philosophie, sein Lob der Kleinheit auf den Punkt. Von Kohr sagen Kenner seiner philosophischen und nationalökonomischen Werke, er sei nicht einer der prominentesten, wohl aber einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts gewesen.

Um die Größenverhältnisse geht es ihm, wobei er aber nie das Kleine im Sinne von Enge oder Engstirnigkeit im Blick hat. Ihm geht es um das richtige, das menschengerechte Maß, eine Maßeinheit, die in unserem Zeitalter der Gigantomanie, der Elefanten- und Dino- Hochzeiten verloren gegangen ist.
Im Vorwort zu seinem Buch Das Ende der Großen schreibt Kohr: "Paracelsus, der Gründer der modernen Medizin, hat gesagt: Alles ist Gift. Ausschlaggebend ist nur die Dosis. Das gilt für Heilpflanzen, aber auch für Atome, für Heuschrecken und Nationen. Was die paracelsische Mengengrenze übersteigt, macht Medikamente zu Gift, das Gute zum Schlechten, Demokraten zu Tyrannen, Friedvolle zu Kriegshetzern, Wachstum zu Krebs."
In diesem Buch geht Kohr vor allem auf die Frage des Gleichgewichtes ein. Es gibt das Gleichgewicht des Stagnierenden, des Starren, des Riesigen, das letztlich tödlich ist: "Gott schuf ein bewegliches, dynamisches Universum, das nicht durch Einheit, sondern durch Harmonie aufrechterhalten wird, das auf der Koexistenz zahlloser, beweglicher, kleiner Teile beruht, von denen es keinem erlaubt ist, zu viel Masse zu akkumulieren, um die Harmonie des Ganzen nicht zu stören. Kleinheit ist keine zufällig Laune der Natur, sondern erfüllt den tiefgründigen Sinn einer harmonischen Existenz."
Wir leben in der modernen Industriegesellschaft also anders, als wir gedacht und angelegt sind – und das befördert ungesunde Wucherungen, übergroße Dimensionen, überhöhte Geschwindigkeiten. Das zeigt sich an den ökologischen Schäden ebenso wie an den sinnlosen
Entfernungen, die die Güter des täglichen Bedarfs zurücklegen, obwohl diese auch um die Ecke produziert werden könnten.
Auf Zellteilung beruht Gesundheit, nicht auf Zellwachstum. Teilung also und nicht Vereinigung müsste das Ziel zur Lösung von Problemen sein. Das gilt im Wirtschaftlichen ebenso wie im Politischen. Es wäre also angezeigt, ein kleines Wörtchen wieder neu zu lernen, das Wörtchen GENUG. Dann käme quasi von selber eine alte Tugend wieder ins Spiel: Bescheidenheit. In dieser Tugend war Leopold Kohr ein Meister. Ivan Illich sagte in seiner Laudatio zu Kohrs 80. Geburtstag: "Wir schulden Ihnen Ehre für Ihre beispielhafte Demut. Sie hat es Ihnen ermöglicht, die Bescheidenheit selbst zum zentralen Objekt Ihrer Forschung zu machen." (Dolores Bauer)





Salzburg Museum - Neue Residenz >

Mozartplatz 1, 5010 Salzburg
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Tel.: +43-662-62 08 08-700
Fax: +43-662-62 08 08-720

Die Unterlagen zur Ausstellung haben Dr. Günther Witzany, Philosophische Praxis Bürmoos und Leopold Kohr-Akademie,
Dr. Ewald Hiebl, Leopold Kohr-Archiv und Universität Salzburg,
zusammengestellt bzw. erarbeitet.

Fotos, Exponate von der Leopold Kohr-Akademie

Kurator: Dr. Peter Laub MA

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 9-17 Uhr | Donnerstag 9-20 Uhr

 
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Was Kohr dachte und wie er sich ein besseres Zusammenleben vorstellte, erliest man sich in fünf schlanken Büchern aus dem Otto Müller Verlag.

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