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Lehrveranstaltung: Regionale Lebenswelten

Kulturgeschichte (Regionale Lebenswelt(en) aus der Perspektive der Architektur in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Leopold-Kohr-Lecture)
Bild: Der Vortragende Dipl.-Ing Dr.techn. Friedrich Idam


Die Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist auch in der Ausformung der Architektur ablesbar. Ökonomische Parameter evozieren wesentlich, von städtebaulichen Mustern bis hin zur Detailausbildung an Bauwerken, unsere gebaute Umwelt. Die Substitution natürlicher Baustoffe und einfacher Baukonstruktionen, deren Verwendung und Ausführung Allgemeingut waren, durch hochkomplex industriell hergestellte Surrogate ist ein, seit zumindest dem 18 Jh. nachweisbarer, dynamisch verlaufender Prozess. Das umfassende Wissen um die funktionalen Zusammenhänge baulicher Systeme schwindet, und selbst Fachleute überblicken lediglich noch Teilbereiche. Das Individuum der Industriegesellschaft des beginnenden 21.Jhs. verliert in fortschreitenden Maß seine ursprüngliche Fähigkeiten und Fertigkeiten auf die gebaute Umwelt einzuwirken. Eine Option zur Einleitung eines gegenläufigen Trends liegt in der Erfassung, Bewertung und Optimierung lokaler Bautraditionen. Einfache Baukonstruktionen sind mit geringem Aufwand herstellbar aber auch veränderbar und konnten so über lange Zeiträume den jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Bauobjekte aus Stein, Holz oder Lehm sind ressourcen- und energieeffizient aus der unmittelbaren Umgebung des Standorts gefertigt. Das Zukunftspotential historischer Baustoffe und Baukonstruktionen liegt in deren technologischem Kontext, der mit dem, bedauerlicherweise inflationär verwendeten, Begriff „nachhaltig“ am besten umrissen werden kann.
Eine ganze Reihe von Problemfeldern, wie Transport oder Primärenergieeinsatz bei der Baustoffproduktion, die sich für die nächste Zukunft abzeichnen, treten nicht zum ersten Mal auf. Bereits vor Jahrhunderten wurden unter drückenden Rahmenbedingungen regional optimierte Lösungen entwickelt, die sich langfristig als erfolgreich erwiesen haben.
Überträgt man die Idee der Evolution auf menschliche Artefakte, so stehen uns bei der Analyse der historischen Baustoffe und Baukonstruktionen in den unterschiedlichen Regionen jeweils die bestgeeignetsten Typen, die zum Teil schon Jahrhunderte überdauert haben, zur Verfügung. In Rahmen von Diskussionen sollen das Anknüpfen und die reflektierte Weiterführung der materiellen Tradition des einfachen Bauens gefunden werden.

Datum: Di 15.3.2011, 22.3.2011, 29.3.2011, 5.4.2011, 12.4.2011, 3.5.2011, 10.5.2011, 17.5.2011, 24.5.2011, 31.5.2011, 7.6.2011, 21.6.2011, 28.6.2011,

Uhrzeit: 10:00-12:00 Uhr

Raum: Leopold Kohr Nachlass HS 121, Universitätsplatz 1, 2.Obergeschoß

 
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